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Businessnews 03.05.2019

Frauen im Dentalsektor: Yes we can!

Frauen im Dentalsektor: Yes we can!

Im Interview mit Maureen MacInnis, Senior Vice President, Chief Human Resources Officer and Communications of Dentsply Sirona, und Susanne Schmidinger, Vice President Global Brand Marketing and Clinical Affairs, Equipment & Instruments bei Dentsply Sirona, sprechen Antje Isbaner, Redaktionsleiterin ZWP Zahnarzt Wirtschaft Praxis, OEMUS MEDIA AG, und ihre Kollegin Marlene Hartinger über die Zukunft weiblicher Führungskräfte in einer immer weiblicher werdenden Dentalbranche und Dentsply Sironas Bemühen um Frauen als Key Opinion Leaders.

Frau MacInnis, Frau Schmidinger, es dominieren derzeit zwei Phänomene die Dentalwelt: Zum einen besteht ein überdeutlicher Trend hin zur Feminisierung in der Zahnmedizin; es gibt mehr Absolventinnen als Absolventen an zahnmedizinischen Fakultäten, mehr Zahnärztinnen als Zahnärzte steigen in den Beruf neu ein. Zum anderen, schaut man auf bundespolitischer Entscheidungsebene, in die Vorstände von Fachgesellschaften und auf die Führungspositionen (dentaler) Unternehmen, sieht man Männer neben Männern, in klarer Überzahl. Wie schätzen Sie diese Situation ein?

Schmidinger: Sie haben Recht, wir befinden uns in einer durchaus ambivalenten Situation. Weltweit mehr als 50 Prozent der Absolventen der Zahnmedizin sind weiblich, gleichzeitig sind die wissenschaftlichen Stellen und Professuren an den Universitäten nach wie vor hauptsächlich männlich besetzt. Ebenso sind bestimmte Fachrichtungen (sei es Implantologie oder Endodontie) immer noch größtenteils männlich dominiert. Hier gibt es nach wie vor noch nicht die genderübergreifende Vielfalt, die wir uns wünschen. Und genau hier setzen wir in unserer Arbeit, unserem Fort- und Ausbildungsangebot an. Wir gehen sowohl inhaltlich als auch methodisch auf die Bedürfnisse von Zahnärztinnen und Zahnärzten ein.

MacInnis: Wir alle wissen es: Es gibt keine einfache, unmittelbare Lösung für dieses Phänomen. Wenn das so wäre, läge es schon längst hinter uns. Denn das große Potenzial, der eindeutige Gewinn, der sich aus einer Vielseitigkeit der Stimmen, aus einem Nebeneinander von weiblichen und männlichen Fähigkeiten und Vorgehensweisen, ergibt, steht ja außer Frage. Die Sichtbarwerdung von Frauen auf allen Ebenen, einschließlich und besonders auf Vorstandsetagen, ist ein Prozess, eine Reise, eine Entwicklung, die ganz klar läuft, aber eben Zeit braucht, um in alle Bereiche nachhaltig vorzudringen. Es sind aber schon immense Fortschritte zu verzeichnen – das kann ich mit Rückblick auf meine Anfänge im dentalen Sektor bestätigen. Wir leben in einer Zeit, in der sich wahnsinnig viel für Frauen bewegt und entwickelt; diese Dynamiken müssen wir nutzen, um Frauen – konzentriert und strukturiert – voranzubringen und so zu stärken, dass sie am Ende für ihre Rollen als Führungskräfte bereit sind.

Wie sieht die Geschlechterverteilung in Ihrem Unternehmen Dentsply Sirona aus?

MacInnis: Ich könnte Ihnen hier eine ganz einfache und auch ehrliche Antwort geben: 50/50 bzw. 60/40. Das entspricht der Wahrheit, weil wir als Unternehmen global so großflächig agieren und ich hier auch den Bereich Produktion mit einbeziehe. Wahrscheinlich ist aber Ihre Frage anders gemeint und lautet eher: Wie bekommen wir mehr Frauen in unsere Vorstände und auf Entscheidungsebenen? Hier sind wir noch lange nicht am Ziel, aber auf einem sehr guten Weg! In 2018 wurden bei Dentsply Sirona zwei Frauen in unser Board of Directors – Leslie F. Varon und Betsy D. Holden – ernannt. Das ist ein großer Fortschritt auf Aufsichtsratebene.

Schmidinger: Wir können, anders als die Jahre zuvor, eine wachsende weibliche Präsenz auf der mittleren Managementebene verzeichnen. Es gibt mehr Frauen in Vertriebspositionen und auch in den Bereichen Forschung und Entwicklung sowie Technologie. Die Frage, ob Frauen solche Positionen überhaupt besetzen können, steht heute – zum Glück – nicht mehr im Raum. Deshalb versuchen wir gezielt, in allen Unternehmensbereichen ausgeglichene Teams zu fördern.

MacInnis: Ich kann Ihnen noch ein Beispiel für die Präsenz von Frauen in unserem Unternehmen geben. Zu einem Lab-Meeting während des Midwinter Meetings in Chicago saßen eine Vielzahl an Frauen jeden Alters von Dentsply Sirona am Tisch, die aufstanden, sich zu Wort meldeten und die Diskussion führten, ja dominierten. Das war der beste Beweis für unsere, fast schon selbstverständliche „female power“!

Schmidinger: Zudem veranstalten wir an unserem Bensheimer Standort zum Beispiel den sogenannten „Girl’s Day”, zu dem wir gezielt Schülerinnen bzw. junge Frauen, die auf ihren Schulabschluss zugehen, einladen und für die ganze Bandbreite an beruflichen Möglichkeiten in unserem Unternehmen, einschließlich der technischen Bereiche, sensibilisieren. Wir stellen uns hierbei gezielt zukünftigen Arbeitnehmerinnen vor und versuchen diese insbesondere für technische Berufe zu begeistern.

Frau MacInnis, Ende letzten Jahres wurden Sie mit dem renommierten Women in Leadership Executive Impact Award ausgezeichnet und für ihr Engagement und ihre führende Rolle bei der Entwicklung und Förderung weiblicher Führungskräfte geehrt. Wie haben Sie auf den Award reagiert?

Dass ich diesen Award erhalten habe, war für mich natürlich eine große Ehre. Und mir war sofort klar, dass ich diese Auszeichnung mit allen Dentsply Sirona-Mitarbeiterinnen teile. Eine solche Auszeichnung gewinnt man nie alleine, nur im Team! Hinter meinem Engagement stehen die Kraft und das Ansinnen vieler talentierter, kluger und starker Frauen. Übrigens ging dieser Award über die dentalen Grenzen hinaus und würdigt Akteurinnen aller Bereiche und Industriezweige, von Bildung bis zur Automobilindustrie. Das macht es umso wichtiger und bedeutender für uns Frauen bei Dentsply Sirona. Der Award würdigt auch unser weltweites „Women Inspired Network“ als Plattform für Frauen in unserem globalen Unternehmen.

Worum genau geht es bei dem Women Inspired Network (WIN)?

MacInnis: Durch das Women Inspired Network entwickeln die Frauen wichtige Führungskompetenzen, können sich erproben, erfahren Mentoring und bauen so zugleich ihr eigenes starkes Netzwerk auf. Anfangs stand dem Women Inspired Network noch eine gewisse Skepsis gegenüber, doch sobald die Teilnehmerinnen das kreative Potenzial und die unglaubliche Energie wahrnahmen, die sich durch das Teilen weiblicher Erfahrung und das Aufeinandertreffen verschiedener Generation von engagierten Frauen einstellten, waren alle nur noch begeistert. Heute wächst die Zahl der Teilnehmerinnen am WIN-Netzwerk von Jahr zu Jahr. Ich sehe mich hier vor allem in der Rolle einer Betreuerin und Unterstützerin.

Frau Schmidinger, worum geht es Ihnen mit dem 2018 ins Leben gerufenen Dentsply Sirona Smart Integration Award?

Wir wollten mit der Ausschreibung Zahnärztinnen erreichen, die Interesse an bestehenden und zukünftigen Möglichkeiten eines effizienten Workflows haben, die kreativ und offen für Neues sind. Mit dem Award möchten wir Ideen und Zukunftsvisionen zur vernetzten Behandlungseinheit als Mittelpunkt der Zahnarztpraxis auszeichnen. Vielleicht auch Visionen, für deren Verwirklichung die Zahnärztinnen Partner suchen. Wir wollen Profis wie Vordenkerinnen gewinnen, die mit uns in einen Dialog treten. Und wir freuen uns sehr, dass wir über die Award-Ausschreibung den Anteil der Zahnmedizinerinnen in unserem kontinuierlichen Netzwerk erhöhen können. Denn nur unterschiedliche Perspektiven führen zu einer progressiven Weiterentwicklung technologischer Lösungen.

Beruflich, wie privat, haben Männer und Frauen unterschiedliche Bedürfnisse in Bezug auf Arbeitsweise, Arbeitszeit und Vereinbarung von Arbeit und Familie. Inwieweit ist es Ihrer Meinung nach als Unternehmen wichtig, darauf einzugehen?

MacInnis: Die USA sind, verglichen mit Europa, rückschrittlicher in Bezug auf elternunterstützende Maßnahmen. Dentsply Sirona ist hier eine Ausnahme: Wir haben kürzlich ein Pilotprojekt für den Vaterschaftsurlaub eingeführt und investieren so bewusst in unsere Mitarbeiter.

Die Frage nach den Geschlechterbedürfnissen ist aber, meiner Meinung nach, zu klein und sollte anders formuliert werden. Die Frage ist nicht, was wollen und brauchen Frauen (wie Männer), sondern was möchte, braucht und erwartet die junge Generation von heute und letztlich von Morgen. Ich glaube, es geht weniger um männliche und weibliche Bedürfnisse, als vielmehr um die weitergreifendere Frage, welche Arbeitssituationen, welche Bedingungen und welche Chancen befähigen Menschen – Männer wie Frauen gleichermaßen –, erfolgreich zu sein? Dem müssen wir nachgehen und hierfür sollten wir neue Arbeitsmodelle und Anreize schaffen. Denn jeder Mensch ist zuallererst ein Individuum und nicht alle Frauen haben per se die gleichen Bedürfnisse. Es geht also in erster Linie darum, junge Menschen und damit die Zukunft der Arbeitswelt dort abzuholen, wo sie und ihre Erwartungen, Vorstellungen und Wünsche sind, und ihnen Möglichkeiten zu bieten, sich individuell zu entfalten. Wenn es zum Beispiel für einen Angestellten wichtig ist, sich am Nachmittag auf einen Kaffee mit einem Bekannten zu treffen und auszutauschen, die Kinder von der Schule abzuholen oder die eigenen Eltern zu sehen, und er oder sie dann später am Abend den Computer wieder anmacht und weiterarbeitet, dann sollte das eine akzeptable Form von Arbeitszeit sein. Hier habe ich nicht Alter oder Geschlecht ins Spiel gebracht, sondern ganz simple individuelle Bedürfnisse unserer Zeit. Das Motto für Arbeitnehmer sollte sein – wovon dann unmittelbar auch Arbeitgeber profitieren: Make the job work for you!

Foto: Dentsply Sirona/OEMUS MEDIA AG

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