Implantologie 23.04.2019

Versorgung einer Einzelzahnlücke im Molarenbereich

Versorgung einer Einzelzahnlücke im Molarenbereich

Implantate aus Zirkonoxid haben die Phase der präklinischen Studien erfolgreich bestanden und finden zunehmend Einsatz im klinischen Alltag.2,8,11 Neben der besseren Ästhetik im Vergleich zu Titanimplantaten zeigen sie weitere Vorteile wie deutlich geringere Oberflächenkorrosion und damit geringere Gewebebelastung durch Partikel, eine geringere Auslösung immunologischer Reaktionen und eine stabilere Weichgewebeanlagerung an die Implantatoberfläche.13 Im Folgenden soll der Einsatz des ZERAMEX® XT-Implantats bei der Versorgung einer Einzelzahnlücke in der Unterkiefer-Molarenregion dargestellt werden.

Die Fünf-Jahres-Erfolgsrate wird für einteilige ATZ-Implantate mit 94,3 Prozent angegeben.7 Zweiteilige Keramikimplantate setzen sich seit ihrer Markteinführung vor nahezu zehn Jahren zunehmend durch, da diese den Einsatzbereich erweitern und äußere Stabilisierungsmaßnahmen in der Einheilphase entfallen. Sie haben damit die gleichen Einheilbedingungen wie zweiteilige Titanimplantate. Vor allem die innovative Entwicklung von zweiteiligen reversibel verschraubbaren Systemen wird den zunehmenden Einsatz von Keramikimplantaten fördern.

Die Weiterentwicklung des Implantats ZERAMEX® T (Dentalpoint, Schweiz) zum verschraubbaren ZERAMEX® XT-Implantat mit dem identischen wurzelförmigen Design und der bewährten mikrostrukturierten, hydrophilen Oberfläche ermöglicht eine flexible und reversibel zu gestaltende prothetische Aufbaukonstruktion und damit eine hohe prothetische Flexibilität. Während das Abutment beim T-Implantat verklebt werden muss, wird es beim XT-Implantat über eine hoch belastbare karbonfaserverstärkte PEEK-Schraube (VICARBO®) befestigt. Die XT-Implantatserie wurde im Sommer 2017 zunächst für erfahrene Anwender für den klinischen Einsatz zur Verfügung gestellt. Seit Anfang dieses Jahres ist dieses Implantat in den Durchmessern 5,5 und 4,2 mm und in den Längen 8, 10 und 12 mm erhältlich.

Kasuistik

Ein 55-jähriger Patient benötigte den Ersatz des vor Jahren endodontisch behandelten Zahns 36, nachdem dieser periradikuläre Osteolysen durch einen Wurzellängsriss entwickelt hatte und entfernt werden musste. Die knöcherne Regeneration verlief verzögert. Nach Feststellung eines Vitamin-D3-Mangels und einer daraufhin begonnenen angemessenen Substitution stabilisierte sich die Knochenheilung. Die vorhandene Alveolarfortsatzbreite erwies sich klinisch als ausreichend für ein Implantat mit 5,5 mm Durchmesser. Die Implantatlänge von 10 mm wurde mittels eines Zahnfilms mit Rasterfolie festgelegt.

Chirurgische Phase

Anfang Dezember 2017 wurde die Insertion mithilfe einer Bohrschablone dreidimensional ausgerichtet durchgeführt. Hierbei wurde das vom Hersteller empfohlene Bohrprotokoll eingehalten. Beim Gewindeschnitt ist auf eine exakte Präparation zu achten, damit das Implantat mit einem empfohlenen Drehmoment von 20 bis 30 Ncm primärstabil verankert und die gewünschte vertikale Versenkung erreicht wird. In der Regel wird eine Insertion von Hand mit maximal 15/min durchgeführt, wobei das Implantat auf 0,6 bis 1,6 mm suprakrestal versenkt wird. Das Drehmoment wird aufgrund des konischen Implantatdesigns erst bei den letzten zwei Umdrehungen aufgebaut. Eine Versenkung auf nahezu Knochenniveau ist im ästhetischen Bereich anzustreben, um die spätere Aufbaustruktur gingival gedeckt zu platzieren. Für die bevorzugte geschlossene Einheilung wird der Mukoperiostlappen über dem Implantat speicheldicht vernäht. Die Implantatpositionierung wurde postoperativ röntgenologisch überprüft. Die Einheilung des inserierten Implantats verlief komplikationslos. Nach fünf Monaten erfolgten die Freilegung des osseointegrierten Implantats und das Einbringen eines Gingivaformers zur Abheilung der periimplantären Mukosa.

Prothetische Phase

Nach einer Woche wurde mit offener Löffeltechnik abgeformt, sodass die Laborprozesskette starten konnte. Es erfolgte die Modellherstellung mit dem Laboranalog (Replika) zur Platzierung des Abutments. Dieses wurde okklusal gekürzt und die zirkuläre Stufe leicht abgeschrägt (ZTM Michael Stemmler, Labor Zahninform, Mainz). Es folgte die Modellation für ein individuelles Zirkonabutment auf dem konfektionierten Abutment aufgrund der Breitendimension der Molarenlücke mit dem Ziel, eine gleichmäßig starke Wandung für die zu fertigende Keramikkrone zu generieren. Das gefräste individuelle Zirkonabutment (Zirkon-CAD-Rohling, Metoxid) wurde im Labor auf dem Abutment verklebt (Multilink, Ivoclar). Das verklebte Zirkonabutment wurde auf das Modell reponiert und mit der herstellerseits empfohlenen Laborschraube verschraubt. Das Anzugsmoment für die Laborschraube (grün) sollte nur 5 Ncm betragen. Nach dem Aufbringen von Distanzlack wurde die Modellation für eine e.max-Krone erstellt und für das Pressen angestiftet.

Die Abutmenteingliederung im Mund erfolgt über Verschraubung mittels der hochstabilen VICARBO®-Schraube, welche die Konstruktion sicher auf dem Implantat verankert.21 Hierbei gilt es, das empfohlene Anzugsmoment für die Verschraubung von 25 Ncm einzuhalten. Die karbonverstärkte PEEK-Schraube verankert das Abutment im Implantat dergestalt, dass sie nur Zug- aber keine Druckspannung aufbaut. Nun wird der Schraubenkanal mittels Teflonband und abdeckender Kompositfüllung dicht verschlossen.3 Die e.max-Krone wird an den vorgesehenen Klebeflächen geätzt und silanisiert (Ceramic Primer, Kuraray) und anschließend verklebt (Panavia V5, Kuraray). Wenn gewünscht, ermöglicht ein vorbereiteter okklusaler Zugangskanal zur Schraube die Lösung der gesamten Konstruktion zur Entfernung von Kleberresten. Bei entsprechender supragingivaler Randgestaltung ist eine problemlose Entfernung von Kleberresten auch ohne vorgegebene Lösungsmöglichkeit der Krone gegeben.

Der Einzelzahnersatz, aber auch der Brückenersatz auf zwei Implantaten, stellt eine mit der Titanimplantatversorgung vergleichbar erfolgreiche Therapiemethode dar.4–6,12 Der Einsatz von Zirkonoxidimplantaten hat in Bezug auf gingivalen Gewebeerhalt durch Minimierung von Biofilmadhäsion, die bessere Materialstabilität auch in Bezug auf Oberflächenkorrosion, die geringere Immunogenität des Zirkonoxids und damit bessere immunologische Verträglichkeit und nicht zuletzt aufgrund der naturweißen Farbe vor allem im sichtbaren Bereich wesentliche Vorteile gegenüber Implantaten aus Titan.1,9,10,14,16–22

Die vollständige Literaturliste gibt es hier.

Der Fachbeitrag ist im Implantologie Journal erschienen.

Foto: Autorin

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